Wenn selbst eine Cloud-Region ausfällt: Warum Cloud kein Backup ersetzt

Cloud-Dienste gelten als hochverfügbar und ausfallsicher. Der Ausfall der AWS-Region Bahrain zeigt jedoch, dass auch eine über mehrere Rechenzentren verteilte Cloud-Infrastruktur an ihre Grenzen kommen kann.

Nach mehreren kriegsbedingten Beschädigungen kann Amazon Web Services die betroffene Region nicht wiederherstellen. Für Unternehmen stellt sich damit eine entscheidende Frage: Was geschieht mit den eigenen Daten, wenn nicht nur ein einzelnes Rechenzentrum, sondern eine ganze Cloud-Region ausfällt?

Illustration einer ausgefallenen Cloud-Region mit drei beschädigten Rechenzentren und einem geografisch getrennten, intakten Backup

Was ist in Bahrain passiert?

  • März 2026: Drohnenangriffe beschädigten AWS-Infrastruktur in Bahrain. Nach weiteren Störungen empfahl AWS den Kunden, ihre Daten und Systeme in andere Regionen zu verlagern.
  • April 2026: Nach der Beeinträchtigung einer zweiten Availability Zone fiel die gesamte Region aus. AWS rechnete zunächst mit einer mehrmonatigen Wiederherstellung.
  • Juli 2026: Die iranischen Revolutionsgarden meldeten einen weiteren Angriff auf ein AWS-Rechenzentrum. AWS bestätigte diesen Angriff jedoch nicht.
  • September 2026: AWS erklärte, dass die Region Bahrain nicht wiederhergestellt werden kann. Die Schäden betrafen mehrere Availability Zones und überschritten die Belastbarkeit der regionalen Redundanz.

Nicht sämtliche Kundendaten gingen verloren: Viele Kunden hatten ihre Systeme rechtzeitig migriert oder konnten sie aus Backups wiederherstellen. Betroffen sind Daten und Ressourcen, die ausschliesslich in der ausgefallenen Region gespeichert und nicht anderweitig gesichert waren.

Mehrere Rechenzentren sind noch kein vollständiger Notfallplan

Eine AWS-Region besteht aus mehreren voneinander getrennten Availability Zones. Diese Architektur soll verhindern, dass der Ausfall eines einzelnen Rechenzentrums den gesamten Dienst unterbricht.

In Bahrain waren jedoch mehrere Availability Zones derselben Region betroffen. Damit reichte die vorhandene regionale Redundanz nicht mehr aus.

Der Vorfall macht einen wichtigen Unterschied sichtbar:

  • Redundanz schützt vor dem Ausfall einzelner Komponenten.
  • Hochverfügbarkeit reduziert Unterbrüche beim Ausfall einzelner Systeme oder Standorte.
  • Backup und Disaster Recovery ermöglichen die Wiederherstellung nach Datenverlust oder dem Ausfall einer ganzen Region.

Mehrere Kopien innerhalb derselben Cloud-Region erhöhen zwar die Verfügbarkeit. Sie sind aber nicht automatisch ein unabhängiges Backup.

Cloud-Anbieter und Kunde tragen unterschiedliche Verantwortung

AWS beschreibt Ausfallsicherheit als gemeinsame Verantwortung. Der Anbieter ist für den Betrieb und den Schutz der Cloud-Infrastruktur zuständig. Der Kunde bleibt jedoch für die Widerstandsfähigkeit seiner eigenen Daten und Anwendungen verantwortlich.

Dazu gehören insbesondere:

  • Backup und Versionierung
  • Replikation in eine andere Region
  • Schutz vor unbeabsichtigtem Löschen
  • unveränderbare Sicherungskopien
  • definierte Wiederherstellungszeiten
  • regelmässige Wiederherstellungstests

Cloud-Anbieter stellen dafür geeignete Funktionen bereit. Welche davon eingesetzt werden und welches Risiko akzeptabel ist, muss jedoch für jedes Unternehmen individuell festgelegt werden.

Was sollten Unternehmen jetzt prüfen?

Der Ausfall in Bahrain ist aussergewöhnlich. Die daraus ableitbaren Fragen gelten aber unabhängig vom verwendeten Cloud-Anbieter:

  • Existiert eine zusätzliche Sicherung ausserhalb der produktiven Cloud-Umgebung?
  • Befindet sich diese in einer anderen Region oder auf einer unabhängigen Plattform?
  • Ist mindestens eine Sicherungskopie unveränderbar oder offline geschützt?
  • Ist bekannt, wie viele Stunden oder Tage Datenverlust im Notfall akzeptabel wären?
  • Wurde die vollständige Wiederherstellung bereits getestet?
  • Besteht ein dokumentierter Ablauf für den Ausfall eines Anbieters oder einer ganzen Region?
  • Werden Datenschutz und Datenstandort auch bei externen Sicherungen berücksichtigt?

Als Orientierung kann die 3-2-1-1-0-Regel dienen: drei Datenkopien auf zwei unterschiedlichen Speichermedien, davon eine Kopie ausser Haus, eine weitere unveränderbar oder offline und keine ungeprüften Fehler nach den Backup-Tests.

Das gilt nicht nur für AWS

Die grundlegende Fragestellung betrifft auch Microsoft 365, andere Cloud-Plattformen, Hosting-Angebote und branchenspezifische Online-Anwendungen.

Auch eine Datenhaltung in der Schweiz ersetzt kein Backup. Ein Schweizer Standort kann für Datenschutz, Latenz und regulatorische Anforderungen wichtig sein. Entscheidend bleibt jedoch, ob beim vollständigen Ausfall des produktiven Systems eine unabhängige und tatsächlich wiederherstellbare Kopie vorhanden ist.

Fazit

Cloud-Dienste bieten eine hohe Verfügbarkeit und können viele Risiken besser abfangen als ein einzelnes lokales System. Eine Garantie gegen jedes denkbare Ausfallszenario gibt es jedoch nicht.

Kein Anbieter, kein Standort und kein Benutzerkonto sollte deshalb die einzige wiederherstellbare Kopie geschäftskritischer Daten enthalten. Ein belastbares Backup-Konzept berücksichtigt nicht nur technische Defekte und Cyberangriffe, sondern auch den vollständigen Ausfall einer Plattform oder Region.

Wir unterstützen KMU dabei, bestehende Backup- und Wiederherstellungskonzepte zu überprüfen, Risiken realistisch einzuschätzen und die Wiederherstellung regelmässig zu testen.

Quellen